Liebe ist stärker …

… auch stärker als eine chronische Erkrankung. Das durfte ich erleben, als ich zum Thema „Leben & Lieben mit Multipler Sklerose“ recherchierte. Meine Ausgangshypothese: Beziehung ist prinzipiell schon schwierig und noch viel schwieriger, wenn eine Erkrankung mitmischt, deren Verlauf weder vorhersagbar noch umkehrbar ist. Diese Hypothese hat sich bewahrheitet. Aber schwierig ist nicht unmöglich. Und Liebe macht Vieles möglich. Das durfte ich im Gespräch mit der Autorin Heike Führ lernen.

Liebe macht kreativ

Wortwörtlich. Denn Peter war und ist für Heike Führ der Motor zum Schreiben. Alle ihre Bücher haben direkt mit ihm zu tun. Denn ohne ihn hätte sie sich nicht getraut, einen Verlag zu suchen und zu finden. Davon ist sie überzeugt. Und Peter ist davon überzeugt, dass Heike ihn als Musiker inspiriert. Früher, als die Fatigue, diese maßlose Erschöpfung, Heike noch nicht zu regelmäßigen Ruhepausen zwang, war sie auf jedem seiner Konzerte dabei. Und auch wenn sie ihn heute nur noch selten zu einem Gig begleitet, ist die Wirkung die gleiche: Peter spürt die Kraft, die von Heike ausgeht. Und Heike verliebt sich jedes Mal aufs Neue in Peter, wenn er auf der Bühne mit seiner Gitarre verschmilzt und zu singen anfängt.

Liebe ist ein Prozess

Dabei war beim Kennenlernen alles andere als eine Beziehung geplant. Aber wie das so ist mit den Plänen im Leben, Heike und Peter kamen sich Schritt für Schritt näher. Und als Heike spürte, dass darauf mehr werden könnte, da erzählte sie ihm von ihrer MS. Er reagierte völlig gelassen, interessiert, ruhig. Die MS war damals eher Theorie, denn Heike fühlte sich gut, verspürte keinerlei Symptome. Aber – und das ist das Wesentliche an dieser Liebesgeschichte – den Antrag machte Peter drei Jahre später, als es Heike während eines Schubes richtig schlecht ging. Sie bekommt heute noch eine Gänsehaut, wenn sie sich an diesen Moment erinnert.

Liebe ist ein gegenseitiges Geschenk

Ein starkes Team: Heike mit Peter und Smiley
Ein starkes Team: Heike mit Peter und Smiley

„Die MS ist da, nervt manchmal und stört auch. Aber wir sind einfach zwei Menschen, die sich lieben“, erklärt Heike. Lieben heißt für sie Ankommen, absolutes Vertrauen, Geborgenheit, Fürsorge, Hingabe, Miteinander reden können, sich Freiräume schenken und den anderen wertschätzen. Das alles hat sie bei Peter gefunden. Und er bei ihr. „Wir MSler müssen raus aus der Ecke, dass wir uns wegen unserer Erkrankung schuldig und unvollkommen oder gar minderwertig fühlen“, erklärt Heike. „Wir haben unseren Partnern viel zu bieten, denn wir sind nicht die MS.“

Über diese (mich) berührende Liebesgeschichte habe ich u.a. in dem Blog „Perspektivenwechsel“ geschrieben.

MS: Den Marathon wagen

Im August 2012 brach für Barbara durch die Diagnose Multiple Sklerose (MS) ihre Welt zusammen, im April 2014 lief sie den Marathon in Paris. Dazwischen liegen Gleichgewichtsprobleme, Sensibilitätsstörungen an Armen und Beinen, Sehstörungen, unaufhörliches Training und ein starker Wille: Denn Barbara will schaffen, was keiner für möglich hält. Sie will den Marathon in Paris mitlaufen. Und das, obwohl sie erst nach der Diagnose zu laufen begonnen hat.

Gegen die Krankheit anlaufen

Marathon, das ist für die 31-Jährige viel mehr als ein Sport: „Die Strecke ist lang, verlangt dir viel ab, man kämpft bis zur Ziellinie. Wie bei der MS. Da kämpft man auch, gegen die Krankheit, manchmal auch gegen sich selbst. Aber am Schluss ist man immer der Gewinner.“ Ihre Augen leuchten, als sie mir das erklärt. Und ihre Augen leuchten noch viel mehr, als sie die Strecke in Paris wirklich schafft.

Mehr über Barbara und andere Menschen, die nicht aufgeben, habe ich in dem Blog Perspektivenwechsel geschrieben.